Presseartikel

 

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Der Pöltzschbach mit seinen zwei Namen
Ein verschwundenes Dorf lebt wieder auf
Vor 32 Jahren
Culmitzsch auch nach 36 Jahren nicht vergessen
Totes Dorf wieder zum Leben erweckt
 
 

Der Pöltzschbach mit seinen zwei Namen

 

In Culmitzsch fließen zwei Bäche zu einem zusammen, ab dieser Stelle wird der Bach „Die Culmitzsch“ genannt.
Dies ist aber vielen Bürgern aus dem Umkreis nicht ganz klar, denn Sie nennen diesen Bach einfach den "Pöltzschbach".
Aber die Akten der Behörden sagen, dass es „Die Culmitzsch“ ist und war.

Deshalb habe ich kurzerhand ein Gedicht an die Zeitung gesandt.

 
Den Pöltzschbach wie ihn jeder nennt-
doch kaum einer seinen Ursprung kennt.
 
   
In Culmitzsch als Culmitzschbach ging er hervor
und schlängelt sich bis kurz vor Bergas Tor.
Durch Pöltzschen und Berga fließt er dann-
bis an die „Weiße Elster“ rann.
Deshalb wird er hier im Land,
nur der Pöltzschbach noch genannt.
 
   
Die Akten sagen es ganz klar,
dass es bis an die Grenze von Berga,
der Culmitzschbach ist und war.
 
   
Alle sollten es nun wissen,
den wir schauten einmal hinter die Kulissen.
Der Pöltzschbach erst in Pöltzschen beginnt und
dann durch Berga bis in die Elster rinnt.
 
   
Ein Bach zwei Namen das ist klar,
er möge noch fließen viele Jahr.
 
   
Thomas Schlenk  
   
Quelle: Bergaer Zeitung Jahrgang 11 Nummer 3 vom Freitag, den 11. Februar 2000
 
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Ein verschwundenes Dorf lebt wieder auf

Moderne Chronik gegen das Vergessen: Thomas Schlenk aus Berga stellt Culmitzscher Ortsporträt ins Internet/ Interessante Fakten über www.culmitzsch.de

von OTZ-Redakteurin Kathrin Hofmann
Culmitzsch - die jüngere Generation kennt den Flecken zwischen Kleinkundorf und Zwirtzschen nur dem Namen nach. Dort, wo sich heute eine grüne Hügellandschaft wölbt, stand bis 1964 ein intaktes Dorf mit einem in der Region einmaligen Wasserschloss, einer Kirche, einer Schule und 132 Wohnhäusern.  Zwischen 650-800 Einwohner hatte der Ort, der ab 1964 für die Wismut beräumt wurde. Die ersten Familien an der Hauptstraße mussten binnen einiger Wochen umsiedeln, nach und nach folgte das ganze Dorf. Schwer zu beschreiben, was heißt, seinen Heimatort auf diese  Weise zu verlieren. Mit der ab 1951 begonnen Auffahrung der Tagebaue Trünzig/ Sorge-Settendorf, Gauern und Culmitzsch sowie der Berwerke Schmirchau und Lichtenberg musste eine Vielzahl von Ortschaften teil-weise oder ganz geräumt werden.  Vollständig verschwanden damals die Orte Katzendorf, Culmitzsch, Schmirchau, Lichtenberg und Gessen von der Landkarte. Was Culmitzsch betrifft hat ein 20-Jähriger jetzt den Ort aus der Versenkung geholt, wollte „ein Stück Geschichte nicht ganz verschwinden lassen“, wie er begründet. Mit einem Ortsporträt im Internet erinnert der Bergaer Thomas Schlenk, dessen Familie aus Culmitzsch stammt, an das heimatliche Dorf. Unter www.culmitzsch.de finden Interessenten seit Monatsanfang seine erste Faktensammlung. In den Jahren 1964 bis 1970, so stellt er fest, wurde der Ort vollständig abgerissen. Grund: eine Schutzzone um die industrielle Absetzanlage Culmitzsch der  ehemaligen SDAG Wismut  wurde angelegt. Im Mai 1964 gab es einen entsprechenden Ministerratsbeschluss dazu. Die Culmitzscher wurden zum größten Teil nach Berga, Gera, Greiz und Seelingstädt umgesiedelt. Am 15. Juli 1968 ist die Gemeinde auch rechtlich aufgelöst worden.
Auf der Internetseite kann der interessierte Betrachter neben einer Ortsansicht auch das Wasserschloss bewundern. Es geht auf die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück. Bis 1968 beherbergte es den Kindergarten, das Gemeindeamt und Wohnungen. 1969 ist der Turm abgerissen worden. Das gesamte Gebäude wurde 1970 gesprengt.
Auch die Kirche des Ortes verschwand, 1984 nachdem die Ruhefrist der letzten Gräber abgelaufen war, soll auch der Rest des Gotteshauses abgetragen worden sein. Schon 1969 musste der Turm dran glauben. Ein gutes Jahr trug Thomas Schlenk in seiner Freizeit diese und andere Fakten zusammen, stöberte in Archiven und fragte einige Bewohner. Seine Homepage gibt es ab 1. April 2000. Auf die Resonanz darauf ist der Autor selbst gespannt.

 
Quelle: Ostthüringer Zeitung Jahrgang 10 Nummer 95 vom Sonnabend, den 22. April 2000
 
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Vor 32 Jahren

Vor 32 Jahren genau am 12. Juli 1968 um 19:30 Uhr tagte ein letztes mal die Volksvertretung (Gemeinderat) der Gemeinde Culmitzsch im „Gasthaus Wunschel“.Im Gemeinderatsprotokoll ist zu lesen.
gefasste Beschlüsse:
„Die Gemeindevertretung beschließt, gemeinsam mit dem Ortsausschuss der Nationalen Front auf Grund der Verlagerung ......, die Gemeindevertretung und den Rat der Gemeinde mit Wirkung vom 15. Juli 1968 aufzulösen. Die Rechte und Pflichten der weiteren Abwicklung der Geschäfte in der Gemeinde Culmitzsch werden dem Organisationsbüro zur Verlagerung der Gemeinde Culmitzsch ....... übergeben. Das beinhaltet die Abwicklung der Verlagerung der Führung der Geschäfte in der Gemeinde Culmitzsch und die Abwicklung des Haushaltes .....“

Somit übernahm ab 16. Juli 1968 das „Organisationsbüro Culmitzsch“ die Leitung.

Also, ist es morgen auf den Tag genau 32 Jahre her, dass die Gemeinde Culmitzsch auf dem „Papier“ nicht mehr existiert.

Doch in den Köpfen der „Culmitzscher“ wird Culmitzsch auch nach einer so langen Zeit stets der Ort bleiben, wo ihre Familien gelebt haben, die Kinder geboren und Vorfahren begraben wurden.
 
Quelle: Bergaer Zeitung Jahrgang 11 Nummer 14 vom Freitag, den 14. Juli 2000
 

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Culmitzsch auch nach 36 Jahren nicht vergessen

Culmitzsch lebt in den Herzen vieler weiter
 
Die Gemeinde erstreckte sich über eine Flächen von 2,7 qkm und in ihr lebten zwischen 650 und 800 Einwohner.

Vor 36 Jahren, genau am 6. Mai 1964, wurden in Berlin die Weichen für das weitere Schicksal des Ortes Culmitzsch gestellt. Denn an diesem Tag beschloß der Ministerrat der Deutschen Demokratischen Republik den Abriß des Ortes Culmitzsch. Grund war die Anlegung einer Schutzzone um die industrielle Absatzanlage Culmitzsch der Sowjetisch Deutschen Aktiengesellschaft Wismut.

Schon im April 1964 mußten binnen 4 Wochen die ersten 10 Häuser aus Sicherheitsgründen geräumt werden. Grundlage dafür war eine Empfehlung des Bergamtes.

Der restliche Ort wurde in den Jahren 1964-1970 vollständig dem Erdboden gleich gemacht und die Einwohner auf andere Städte und Gemeinden umgesiedelt. Dies geschah nicht immer ganz freiwillig - denn wer verläßt schon gern seinen Heimatort mit den Gedanken, dass er in diesen nie wieder zurückkehren kann.

Mit dem Ort Culmitzsch sind ein in der Region einmaliges Wasserschloß, eine Kirche, eine Schule sowie 132 Wohnhäuser von der Landkarte verschwunden.

Wo einst der Ort Culmitzsch stand, wölbt sich heute eine grüne Hügellandschaft. Doch für die Culmitzscher gibt es noch Anhaltspunkte um den Standort ihrer Häuser bestimmen zu können. Dies sind Kanal-, Gully- und Hydrantendeckel sowie Absperrschieber für Brauchwasser, die sich auf der Bundesstraße 175, von Wiese umgeben, auftun.

Einige Autofahrer sind verwundert, dass entlang der Bundesstraße Bordsteine gesetzt sind und an manchen Stellen, durch das Gras sogar noch Reste vom Bürgersteig zu sehen sind. Sie müssen ihr Tempo verlangsamen, da die kurvenreiche "Dorfstraße" noch so erhalten ist, wie an ihr die Wohnhäuser plaziert waren. Dies wird aber bald nicht mehr so sein, denn diese kurvenreiche Strecke wird zur Zeit begradigt.

Ja, damit geht das "letzte Stück" Geschichte des Ortes Culmitzsch verloren, was vor Ort daran erinnert, dass an dieser Stelle einmal ein intaktes Dorf gestanden hat.

Doch in den Köpfen der "Culmitzscher" wird Culmitzsch auch nach einer so langen Zeit stets der Ort bleiben, wo ihre Familien gelebt, die Kinder geboren und Vorfahren begraben wurden.
Wer noch mehr zum Thema Culmitzsch erfahren möchte, der kann sich unter www.culmitzsch.de weiter informieren.

 
Auszug: Magazin Pro Berga 2/2000
 

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Totes Dorf wieder zum Leben erweckt

Neue Ausstellung in Bergaer "Spittel"
(Susan Schröder)

Culmitzsch ist nur noch wenigen der jüngeren Generation aus der Umgebung ein Begriff. Dabei lag diese Gemeinde in direkter Nähe, und zwar zirka zwei Kilometer von Berga entfernt direkt an der B 175. Weichen musste das Dorf wegen des
Uranerzbergbaus der Wismut in der Region.
Damit Culmitzsch nicht in Vergessenheit gerät, hat Doris Knüppel im Bergaer "Spittel" eine Ausstellung über das Dorf mit Bildern von Erich Krauthahn, Helga Gentzsch, Christine Gabriel, Reinhart Richter und Reinhard Poltzsch, gestaltet.
Die Schau besteht größtenteils aus Fotografien der Gemeinde Culmitzsch. Zu sehen sind Geschäfte und Händler der Ortschaft wie zum Beispiel die Steinmetze und Bildhauer Willi und Robert Luckner. Auch zu sehen sind Wohnhäuser der Stadt. Unter anderem kann man die Häuser der Hauptstraße betrachten, deren Einwohner bereits 1964 ausziehen mussten.
Die Besonderheit der Ausstellung und damit der größte Blickfang im Raum ist die detailgetreue Nachbildung des einzigartigen Wasserschlosses. Trotz aller Bemühungen einiger Museen und des Amtes für Denkmalpflege, das Schloss doch zu erhalten, wurde es auch wie alle anderen Gebäude 1970 zerstört. Neben den zahlreichen Fotografien hilft dieses "Miniaturschloss" maßgeblich, um sich vorzustellen, wie das wunderschöne Culmitzsch einst ausgesehen haben muss.
Jedoch wenige Hinweise vor Ort deuten heute noch darauf hin, dass an dieser Stelle einmal ein ganzes Dorf gestanden hat. Von Wiesen umgeben, tun sich an der B 175 Kanal- und Gullydeckel auf und entlang der Bundesstraße sind Bordsteine gesetzt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich ein Besuch im "Spittel" in Berga lohnt. Die Geschichte der Gemeinde Culmitzsch ist anschaulich beschrieben und mit dem Nachbau des Schlosses hat die Ausstellung ein echtes Kunstwerk zu verzeichnen. Ein Besuch des "Spittels" ist eine ideale Chance, um unser Heimatwissen um das interessante und traurige Schicksal eines Dorfes zu erweitern.

 

Quelle: Ostthüringer Zeitung, 26.07.2008
 

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